Der stationäre Handel wurde bereits unzählige Male für tot erklärt, die Realität sieht allerdings nach wie vor anders aus. Kunden kaufen sowohl online als auch offline ein. Damit belegen sie, dass Ladengeschäfte heute und in Zukunft noch eine tragende Rolle spielen. Aber was motiviert Kunden zu einem stationären Einkauf? Was müssen Händler potenziellen Kunden bieten, damit sie weiter im Geschäft vor Ort einkaufen? Herausragend ist sicherlich eine inspirierende Produktpräsentation und -verfügbarkeit, eine zielführende und effiziente Beratung, die Berücksichtigung persönlicher Wünsche und Bedürfnisse sowie ein angenehmes Ambiente und Einkaufserlebnis. Was aber macht das Einkaufserlebnis aus? Etwas Neues, etwas Anderes – ein Einkaufen erleben, das sich nicht langweilig und monoton anfühlt. Erlebnis-Shopping – einmal anders einkaufen (5).

Erlebnis-Shopping – einmal anders einkaufen: Idyllisch Shoppen – der Supermarkt im Wald

Wocheneinkauf im Wald – unter Tannenwipfeln auf einer Lichtung, mit Vogelgezwitscher. Ein Markt im abgelegenen Wald – mit Regalen unter freiem Himmel. Das verspricht ein nachhaltiges Einkaufs-Erlebnis. Auf alle Fälle ist es etwas Besonderes und Einzigartiges, das zunächst einmal aus Neugier Kunden anlockt. Diese sind auf der Suche nach einem einzigartigen, neuen und anderen Einkaufserlebnis. Bei Schluchsee im Schwarzwald hat im letzten Jahr ein Supermarkt mitten im Wald an einem Grillplatz und auf einer Lichtung für eine begrenzte Zeit seine Pforten geöffnet. So wird das Einkaufen zu einem Outdoorerlebnis.

Die Hochschwarzwald Tourismus GmbH als Initiator bewirbt den Wald-Supermarkt mit folgenden Sätzen: “Wir machen uns gemeinsam auf den Weg “Zurück zum Ursprung” und bringen den Supermarkt und seine regionalen Produkte direkt in den Wald. Im Waldsupermarkt im Hochschwarzwald laden wir Dich ein, regionale Produkte von heimischen Erzeugern kennenzulernen.”

Erlebnis-Shopping - einmal anders Einkaufen: Idyllisch Shoppen - der Supermarkt im Wald

Erlebnis-Shopping – einmal anders Einkaufen: Idyllisch Shoppen – der Supermarkt im Wald (Quelle: Hochschwarzwald Tourismus GmbH)

«s’Wäldle Naturmarkt» – der Markt mit ausgewähltem lokalem Sortiment

Ein Sortiment wie im lokalen Supermarkt ist im «s’Wäldle Naturmarkt» nicht zu finden. Auch Bananen und Mangos aus Übersee kann der Kunde nicht kaufen. Dafür offeriert der Markt in der Natur seinen Kunden in den Regalen interessantes Lokales: Bergkäse, Salami und Molke-Tagescreme aus dem Schwarzwald – und viele weitere Lebens- und Kosmetikartikel von Hofläden und Erzeugern aus der Region. Abgerundet wird das Angebot durch hochwertige Souvenirs wie Naturseifen, Naturbürsten für die Körperpflege oder Tiefpflege sowie Lifestyle-Bürsten, oder hochwertige Holzartikel.

Neben den angebotenen Produkten und der außergewöhnlichen Kulisse unterscheidet sich der Natursupermarkt allerdings nicht von einem normalen Supermarkt. Die Produkte werden beim Durchgang durch den “Markt” von den Regalen in die Einkaufskörbe verbracht. Anschließend bezahlt der Kunde wie gehabt an der Kasse. Nur die Preise, und das liegt wahrscheinlich an den ausgefallenen Produkten im Natursupermarkt, liegen dann doch über dem Discounterniveau. Einen Eindruck vermittelt die Webseite der Hochschwarzwald Tourismus GmbH: Natursupermarkt am Schluchsee mit regionalen Produkten (hochschwarzwald.de)

Erlebnis-Shopping im s'Wäldle Naturmarkt

Erlebnis-Shopping im s’Wäldle Naturmarkt (Quelle: Hochschwarzwald Tourismus GmbH)

Erlebnis-Shopping – einmal anders einkaufen: Gartencenter als Erlebnis-Park – die Pflanzen sind der Star

„Alles, was gegen die Natur geht, hat auf Dauer keinen Bestand“, zitiert Inhaber und Geschäftsführer Alexander Kremer von Gartencenter Kremer voller Überzeugung den Naturwissenschaftler Charles Darwin. Damit bringt er zugleich das Handlungsprinzip seines Unternehmens zum Ausdruck. Im sauerländischen Lennestadt oder am Standort im Remscheid-Lennep und weiteren Standorten hat Kremer seine Philosophie umgesetzt: „Grüntopia“ – eine Wortverbindung aus „Grün“ und „Utopie“ mündet in ein Gartencenter mit Naturpfad, Gartenmuseum, Gartencafé und Naturspielplatz. Aber nicht jedes Kremer Gartencenter ist eine Kopie des anderen. Nein, jedes Center soll ein einzigartiges Ausflugsziel mit individuellen Erlebnissen bieten.

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Video-Link: https://youtu.be/DXkuPDfDKAo

Attraktionen laden die Kunden zum Erlebnis-Shopping ein

In den Kremer Gartencentern stehen die Pflanzen im Mittelpunkt, alles dreht sich um verschiedene Pflanzen. Themenbereiche animieren die Kunden dazu, ihre Umgebung nachhaltiger zu gestalten. Und die Themenbereiche bieten den Kunden einen Erlebnis-Rundgang, die sogenannte Grüntopia-Tour.

Einzelne Container – zum Großteil Holzkonstruktionen – dienen dank farbenfroh stilisierter Motive aus der Natur als Blickfang und laden zur Tour ein. Den Start macht das „Urban Gardening House“, das sich direkt vor der großen Garten-Center-Fläche befindet und zum Gärtnern in der Stadt inspiriert, z.B. mit Tipps zur Bepflanzung von Hochbeeten und der kreativen Verwertung von Materialien als Untersetzer. Durch die von „zukunftsfähigen“ Baumarten geschmückte Glasfassade, den „vertikalen Wald“, gelangen Kunden in das temperierte Garten-Center mit neu eingebauter Seitenlüftung. Ein Rundgang führt über acht weitere Themenhäuser – das „Gewächshaus“, „Baumhaus“, „Begrünte Haus“, „Gartenhaus“, „Haus der Artenvielfalt“, „Farmhaus“, „Exotenhaus“, „Grüne Stadthaus“, „Urban Gardening Haus“ zum „Zukunftshaus“, das den Abschluss des Rundgangs bildet und sich den „grünen Utopien“ widmet.

Erlebnis-Shopping in Grüntopia

Erlebnis-Shopping in Grüntopia (Quelle: Grüntopia)

Erlebnis-Gastronomie und Wohnwelten erhöhen die Verweildauer

Zu den weiteren Besonderheiten der Fläche zählen die gastronomischen Einheiten sowie die in Wohnwelten präsentierten Möbel- und Dekorationsartikel. Beide Bereiche zahlen ebenso konsequent auf den Leitgedanken ein, näher an die Natur zu rücken und nachhaltiges Handeln zu forcieren. So wurde das einst klassische Café mit Fleischgerichten in einen grünen Food-Markt mit ausschließlich vegetarischen und veganen Gerichten umgewandelt, vergrößert und in drei Bereiche gegliedert. Zwei farbige Container und ein Food-Truck bieten Kunden täglich eine Auswahl an Frühstück, Kaffee und Kuchen, Salaten, Bowls und Tagesgerichten sowie vegetarische Burger. Nicht nur das gastronomische Angebot, sondern auch die Kernsortimente, Pflanzen und Dekorationsartikel, weisen zudem mehr Naturnähe auf. Schnelldreher aus Plastik passen nicht mehr in das Konzept, ebenso wenig Gartenmöbel und Grills.

Erlebnis-Gastronomie im Kremer-Gartencenter

Erlebnis-Gastronomie im Kremer-Gartencenter (Quelle: Kremer Naturtalente)

Erlebnis-Shopping – einmal anders einkaufen: Rund um die Uhr in der Metzgerei Hack 24 (Smartstore)

Ein personalfreies Geschäft, das rund um die Uhr “geöffnet” ist und Produkte des täglichen Bedarfs auf einer kleinen Verkaufsfläche anbietet, hat aktuell die Metzgerei Hack in Freising eröffnet. Ein schöner Container, vollausgestattet mit besten Produkten, der gut zugänglich platziert ist und ohne Personalaufwand 24 Stunden für Kunden geöffnet hat. Hier kann man nach vorheriger Registrierung unkompliziert auch an Sonn- und Feiertagen sowie spät in der Nacht noch einkaufen – denn der Bedarf und Hunger bestimmt die Öffnungszeiten (https://www.metzgerei-hack24.de/)

Beworben wird der Smartstore mit den Worten: “Hol Dir qualitativ hochwertige, handwerklich hergestellte Lebensmittel für Deinen Grundbedarf: Wurst- und Fleischprodukte aus der Metzgerei Hack, Kartoffeln, Milchprodukte, TK-Backwaren, Nudeln, Eier und Mehl … wir könnten noch weiter aufzählen. Am besten registrierst Du Dich einfach direkt und findest selbst heraus, was wir Dir alles zu bieten haben.”

Metzgerei Hack - Qualität rund um die Uhr

Metzgerei Hack – Qualität rund um die Uhr (Quelle: Metzgerei Hack24)

Erlebnis-Shopping – einmal anders einkaufen im Obi – Machbar

Ein Do-it-Yourself-Concept-Store von OBI eröffnete am Kölner Standort des bisherigen Concept-Stores “Create” den neuen Store “OBI – Machbar”.  Das Ganze ist als Erlebniswerkstatt konzipiert und bietet ein monatlich wechselndes Programm aus Workshops und Events. In der Erlebniswerkstatt dreht sich alles um das Entdecken, Ausprobieren und Selbermachen. Obi möchte begeistern, inspirieren und enablen – indem gezeigt wird, dass Do-it-Yourself nicht irgendein Begriff aus dem Internet ist, sondern etwas Echtes, das Menschen verbindet. Daher bietet die OBI Machbar immer wieder neue inspirierende Möglichkeiten, säen Wünsche und zeigen, was mit DIY wirklich alles machbar ist.

Blickfang im Eingangsbereich ist eine Setzling-Tauschbörse namens “Meet & Seed”. In einer gelochten Rückwand können Gardening-Fans und -Neulinge bis Ende April ihren eigenen Pflanzen-Setzling platzieren und dort einen anderen Setzling auswählen. Alternativ können sie den Setzling an einem der Lastenräder tauschen, die an fünf Standorten in der Stadt zu finden sind.

OBI Machbar in Köln

OBI Machbar in Köln (Quelle: Obimachbar)

Erlebnis-Werkstatt – Workshops und selbst Machen

Der Store bietet den Kunden auf 250 qm ein permanentes Do-it-Yourself-Sortiment sowie eine monatlich wechselnde themenbezogene Produktauswahl. Dazu passend werden Workshops angeboten, für die Interessierte sich vorab einbuchen können: So gibt es unter anderem Kurse zur Gestaltung von Frühbeeten und Pflanzkisten. Aber auch Exotischeres wie ein Abend zum Trendmaterial Jesmonite. Unter Anleitung sollen die Teilnehmer und Kunden dabei die Möglichkeit erhalten, Ideen rund um das jeweilige Saisonthema gemeinsam umzusetzen. Neben den thematisch wechselnden Workshops findet der Kunde auch permanente Grundlagen-Workshops wie “Werkzeug-Einmaleins” oder Techniken wie “Draht-Lettering” und “Makramee-Knüpfen”. Fürs Nachmachen zu Hause werden Kunden die passenden Materialien aus dem saisonalen Set-Angebot in den Regalwänden des Geschäfts angeboten. Dort findet sich auch ein kompaktes Baumarktsortiment von Tapetenrollen und Mini-Farbeimern über Gaffatape, Schrauben und Batterien bis zu Rohrmöbeln.

Mit Obi Machbar will die Handelskette über ihre „Create“-Markenidee, die sich vor allem mit Heimwerkerprojekten und dazugehörigen Selbstbau-Sets zur individuellen Wohnungseinrichtung befasst, hinauswachsen und sie in das neue, kreative Erlebniskonzept integrieren. “Mit dem interaktiven DIY-Angebot der innerstädtischen Location bedienen wir im doppelten Sinne den Zeitgeist. Zum einen denken wir eine urbane Retailfläche neu und aktivieren eine Zielgruppe, die von Baumärkten bisher vorwiegend digital erreicht wird. Zum anderen verzahnen wir erstmalig Branded Content mit einer Live Experience”, kommentiert Falco Stienen, Head of Brand Communication bei Obi.

OBI Machbar Workshop

OBI Machbar Workshop (Quelle: OBI)

Orte der Begegnung mit außergewöhnlichen Erlebnissen

Es sind die kleinen, unbewussten Signale, die darüber entscheiden, ob Kunden einen Artikel kaufen oder nicht. Ein gutes Einkaufserlebnis setzt Impulse. Schon lange werden nicht nur Waren verkauft, sondern ein damit einhergehendes Glücksgefühl. Mit einem stimmigen Einkaufserlebnis werden Emotionen freigesetzt, die Kunden zufriedener machen. Einkaufserlebnisse können auch geboten werden, wenn Händler etwas Neues und Anderes anbieten, wie beispielsweise eine Erlebnis-Werkstatt, einen Naturmarkt, eine Rund-um-die-Uhr Metzgerei oder einen Erlebnispark. Denn eins ist ganz klar: Fühlt sich der Kunde an einem Ort wohl, wird er immer wieder gerne dorthin zurückkehren. Diese Erkenntnisse sind eine große Chance für den Einzelhandel. Einzelne Händler haben bereits mit einer Umstrukturierung ihrer Ladenlokale begonnen. Hier werden nicht mehr nur Waren angeboten, sondern sie verwandeln sich in einen Ort der Begegnung.

Serie – Einkaufserlebnisse im Handel

Zu guter Letzt: In einer Serie von Beiträgen beleuchteten wir die Einkaufserlebnisse im Handel von verschiedenen Seiten. Dabei gilt es aufzuzeigen, wie der Erlebnis-Einzelhandel in Zukunft aussehen wird. Und der Bogen spannt sich über das Erlebnis Shopping, Social Shopping, Personal Shopping und das Service Shopping. Dabei zeigen schon viele Beispiele erste und innovative Ansätze im Erlebnis-Einzelhandel.

In diesem Zusammenhang erschienen sind bereits die folgenden Beiträge: