Sprachassistenten auf dem Vormarsch

Immer mehr Anwendungsgebiete und -fälle werden heute von digitalen Sprachassistenten wie Amazon Alexa, Google Assistant oder Samsung Bixby erschlossen. Und diese Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen, sie steckt noch immer in den Anfangstagen. Aber die Spracherkennung der Systeme nähert sich mittlerweile einer hohen Qualität. Fast täglich können diese Systeme mehr. Daher ein Grund mehr, einmal auf die Entwicklung der letzten zehn Jahre zu blicken – und das Jahrzehnt der digitalen Sprachassistenten Revue passieren zu lassen.

Rückblick – das Jahrzehnt der digitalen Sprachassistenten

In fast jedem Jahr des letzten Jahrzehnts ist ein wesentlicher Meilenstein in der Entwicklung und in der Verbreitung von Sprachassistenten hinzugekommen. Damit veränderten die letzten 10 Jahre rasant die Art und Weise, wie die Menschen über Sprachtechnologie denken und wie sie diese erleben. Von der begrenzten und selektiven Nutzung in nur wenigen Bereichen sind Sprachassistenten heute in fast jedem Teil des Lebens der Menschen integriert.

Zusammenfassend zeigt die folgende Abfolge eindrucksvoll die Entwicklung der Sprachassistenten in den letzten zehn Jahren – das Jahrzehnt der digitalen Sprachassistenten:

2010 – Siri als mobile App

Zunächst startete Siri als unabhängiger Sprachassistent als mobile App für iPhones. Und Apple erkannte recht schnell die Möglichkeiten von Siri und kaufte das junge Unternehmen. Zunächst war das iPhone 4S das erste Apple Phone mit integriertem Sprachassistenten. Mittlerweile enthält fast jedes Apple-Produkt den Sprachassistenten. Zudem veränderte Siri sich im Laufe der letzten zehn Jahre enorm und setzt mittlerweile funktional einen Standard bei den Sprachassistenten.

2011 – Google mit der Sprachsuche auf der Webseite

Schon zu Beginn des Jahres 2000 begann Google mit dem Testen von Sprachsuchtechnologie auf mobilen Geräten. Aber erst 2011 fügte Google.com einen Mikrofonknopf für die Suche per Stimme auf seiner Webseite hinzu. Die Anwendung der Sprachtechnologie auf der Webseite war ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Sprachtechnologie. Denn die Leistungsfähigkeit der Google-Suchmaschine wurde dadurch enorm aufgewertet. Obwohl die Sprachsuche auf den Google Chrome-Browser beschränkt war, hatte plötzlich ein riesiger Markt die Chance, die Interaktion mit einer Website über die Sprache auszuprobieren.

2012 – Nuance mit dem NINA-Stimmenassistenten

NINA (Nuance Intelligent Virtual Assistant) ist heute ein digitaler Sprachassistent, der von Unternehmen zur Interaktion mit Kund*innen eingesetzt wird. Denn Nuance diversifizierte und spezialisierte seine Technologie für eine ganze Reihe von Branchen. Einschließlich eines virtuellen Assistenten, der Ärzten bei der Erledigung von Verwaltungsaufgaben und Büroarbeiten hilft. Zusätzlich führte der Erfolg des Unternehmens zu einem Spin-off-Unternehmen, Cerence, das sich der Entwicklung von Sprachassistenten für Automobile widmet.

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Video-Link: https://youtu.be/dxxvPlZXRO8

2013 – Microsoft bringt den Sprachassistenten Cortana

Zwar stieg Microsoft erst 2013 in den Bereich der Sprachassistenten ein. Zu diesem Zeitpunkt integrierte Microsoft Cortana in Windows, die Xbox und andere Microsoft-Produkte. Aber am Ende des Jahrzehnts hat sich Cortana stark geändert. Nun wird Cortana fast nur noch ausschließlich in allen Business-Produkten von Microsoft verwendet.

2014 – Amazon launcht Echo mit Sprachassistenten Alexa

Schließlich kündigte Amazons im Jahr 2014 einen intelligenten Lautsprecher mit eigener Sprachassistentin Alexa an. Dabei deutet der Name Alexa auf die Bibliothek von Alexandria hin. Heute ist Amazon Alexa der wohl weltweit bekannteste und am weitesten verbreitete Sprachassistent. Alexa wird heute oftmals als Oberbegriff für alle Sprachassistenten verwendet. Dabei fußt der Erfolg von Amazon Alexa im Wesentlichen auf zwei Faktoren: Zum einen findet sich die Funktionalität des Amazon-Sprachassistenten in einer ständig wachsende Anzahl von intelligenten Lautsprechern und anderen Produkten, von Tablets, Wearables bis hin zu Autos. Zum anderen bietet Amazon über die Möglichkeit Skills und Fähigkeiten zu entwickeln einen Marktplatz für Funktionen an.

2015 – SoundHound führt Houndify-Plattform ein

SoundHound startete mit einer Anwendung, um Musikstücke automatisch zu identifizieren. Mittlerweile bietet aber die Houndify-Plattform immer mehr Sprachassistenten für Unternehmen an.

2016 – Google Home/Google Assistant treten in den Markt ein

Google hat seine gesamte Erfahrung – aus den Jahren von 2011 bis 2016 – in den Google Assistant einfließen lassen. Im Vergleich zu Amazon bieten Google Home und Google Assistant viele gleiche Funktionen an. Allerdings ist die Integration der Google Sprachassistenten in Googles größeres Ökosystem, wie z.B. Android-Mobiltelefone, ein zusätzlicher Vorteil. Daher ist Google bestrebt den seinen Sprachassistenten zu einem allgegenwärtigen Teil des Lebens der Menschen zu machen.

2017 – Baidu und Alibaba starten Sprachassistenten

Ungeachtet des Vorhandenseins von amerikanischen Sprachassistenten brachten die beiden chinesischen Technikgiganten Baidu und Alibaba im Jahr 2017 ihre eigenen intelligenten Lautsprecher mit Sprachassistenten auf den Markt. Damit reduzierten sie die Dominanz von Alexa & Co in Asien.

2018 – Samsung bringt Bixby 2.0

Mit Bixby 2.0 löste Samsung einige Probleme seiner ersten Version des Sprachassistenten. Zudem richtete der Telefonkonzern damit auch seinen Sprachassistenten neu aus. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie sich Samsung gegenüber seiner starken Konkurrenz von Amazon und Google behaupten wird.

Eine umfangreichere Dokumentation zu digitalen Sprachassistenten sowie weiteren innovativen Technologien und Anwendungsfällen findet sich im Buch „Digital Connection: Die bessere Customer Journey mit smarten Technologien – Strategie und Praxisbeispiele“.

Wie viele Sprachassistenten sind im Einsatz?

Heute sind bereits mehr als 3 Milliarden Sprachassistenten im Einsatz. Vielmehr rechnet die Marktforschungsfirma Juniper Research für 2023 mit 8 Milliarden Sprachassistenten. Diese Zahlen zeigen die Allgegenwärtigkeit der Sprachassistenten. Intelligente Lautsprecher und Mobiltelefone sind die gängigste Art, mit ihnen zu interagieren. Aber auch TV-Geräte, Autos, Bürogeräte und sogar Kleidung können mittlerweile Zugang zu Sprachassistenten bieten.

Weltweiter Absatz von smarten Lautsprechern

Weltweiter Absatz von smarten Lautsprechern (Quelle: Statista)

Neben der wachsenden Verbreitung der Sprachassistenten verändert sich auch die Art und Weise, wie Menschen Sprachassistenten verwenden. Heute sind wir sind an einem Punkt angelangt, an dem Sprachassistenten sowohl eine Facette der Technik als auch etwas Eigenständiges sind, das es zu berücksichtigen gilt. Die gestellten Sprachbefehle, ein Telefongespräch zu führen, die so lange wiederholt werden, bis es verstanden wurde, sind heute zu einem beiläufigen Gespräch geworden. Vielmehr werden über Sprachassistenten Lebensmittel bestellt, das Licht ausgeschaltet oder das Auto gestartet.

Wo werden Alexa und Co. eigentlich genutzt?

In Deutschland werden Sprachassistenten vor allem im Wohnzimmer und in der Küche benutzt. Darüber hinaus gibt es aber praktisch keinen Ort, an dem die digitalen Helferinnen nicht zum Einsatz kommen.

In welchen Räumen werden smarte Lautsprecher genutzt?

Orte der Nutzung von smarten Lautsprechern (Quelle: Statista)

Wer verkauft die meisten Geräte mit Sprachassistenten?

Aktuell wurden weltweit circa 91 Millionen smarte Lautsprecher in den ersten drei Quartalen des Jahres 2019 abgesetzt. Dabei bewegt sich das Wachstum gegenüber 2018 deutlich im zweistelligen Bereich. Zugegebenermaßen ist die Nummer eins immer noch Amazon. Allerdings holen die anderen Sprachassistenten rasant auf. Und der Aufwärtstrend der smarten Lautsprecher geht auch in diesem und den folgenden Jahren weiter.

Wie gut sind digitale Sprachassistenten?

Wie gut sind die digitalen Sprachassistenten? Und wie gut ist das Allgemeinwissen von Sprachassistenten wie Alexa und Co? Dem ging die amerikanische Agentur Stoen Temple nach. Dazu stellte man den verschiedenen Sprachassistenten dieselben fünftausend Fragen aus dem Bereich des Allgemeinwissens. Der Sieger war der Google Assistant auf dem Mobiltelefon mit einer Antwortquote von 77,2 Prozent. Davon waren aber über 95 Prozent der Antworten richtig. Am schlechtesten schloss Siri mit vierzig Prozent Antworten ab. Davon waren aber 80 Prozent der Antworten richtig.

Das Wissen smarter Lautsprecher

Das Allgemeinwissen smarter Lautsprecher (Quelle: Statista)

Wie viele Amazon Alexa Skills gibt es?

Amazon Alexa funktioniert mit sogenannten Skills. Das sind Funktionen, die programmiert werden. Nur 981 Alexa Skills stehen französischen Nutzern von Alexa Verfügung. Verständlich, da der smarte Lautsprecher in Frankreich erst seit dem Juni 2018 erhältlich ist. In Deutschland hingegen ist der smarte Lautsprecher bereits seit Oktober 2016 auf dem Markt. Entsprechend größer ist auch die Zahl der Sprachbefehle und Skills, wie die Grafik von Statista zeigt. Die größte Auswahl haben indes mit Abstand Amerikaner. Hier hat sich die Zahl der verfügbaren Skills laut Voicebot.ai im Vergleich zum Jahresanfang 2018 auf 56.750 verdoppelt.

Anzahl von Amazon Alexa Skills

Anzahl von Amazon Alexa Skills (Quelle: Statista)

Das Jahrzehnt der digitalen Sprachassistenten – welche Unternehmen nutzen des Einsatzes von Sprachassistenten?

Eine wachsende Zahl von Unternehmen hat erkannt, dass Sprache dank der Einführung von Sprachassistenten in den letzten Jahren ein leistungsstarkes Instrument für den Dialog mit den Kund*innen ist. Das Jahrzehnt der digitalen Sprachassistenten hat auch verschiedene Unternehmen bewogen, Sprachanwendungen für digitale Sprachassistenten zu entwickeln.

Welche Marken sind die besten Innovatoren in diesem Bereich? Diese sollten diejenigen inspirieren, die einen eigenen Sprachassistenten und einen Skill starten und einführen möchten. Voicebot.ai hat zwanzig erfolgreiche Unternehmen aus verschiedenen Branchen zusammengestellt. Hier eine Auswahl:

Bank of America

Benutzer der Bank of America haben Zugang zu Erica, einer sprachaktivierten virtuellen Finanzassistentin.

Capital One

Captial One startete schon früh mit einem Assistenten-Bot namens Eno auf dem Markt, der per Sprache und Text über die mobile Anwendung und die Website des Unternehmens sowie per Textnachrichten zugänglich ist.

TD Ameritrade

In diesem Sommer brachte der Investmentriese durch die Integration seiner Nachrichtendienste in die Apple CarPlay, Android Auto- und Echo Auto-Plattformen die Handelsinformationen für Investoren per Sprache auf Autos.

Mercedes

Mercedes war der erste Automobilhersteller, der sowohl Amazon Alexa als auch die Integration von Google Assistant anbot. Im vergangenen Jahr wurde die Sprachplattform Houndify von SoundHound in Fahrzeuge der A-Klasse von Mercedes-Benz auf dem nordamerikanischen Markt integriert

BBC

Die BBC hat Amazon Alexa aktiv unterstützt und in diesem Jahr sogar zwei Webby-Awards für ihre Fähigkeiten Good Food und BBC Kids gewonnen. Außerdem stehen den Nutzern einige Aktionen auf Google Assistant und insgesamt mindestens acht Alexa-Fähigkeiten zur Verfügung, darunter Spiele wie das BBC History Quiz. Die BBC ist auch ein Standardnachrichtenanbieter für Alexa und Google Assistant in Großbritannien.

HBO – Westworld

HBO hat eine Reihe von Auszeichnungen für seine immersive Alexa-Fähigkeit Westworld gesammelt: Und zwar für das Spiel „The Maze“, basierend auf der beliebten Fernsehshow. Die Idee des Spiels besteht darin, die Westworld, einen lebensgroßen Vergnügungspark, in dem realistische Roboter-Moderatoren mit den Gästen interagieren, in gewisser Weise nachzubilden, wobei nur Audio und Fantasie verwendet werden.

Das Jahrzehnt der digitalen Sprachassistenten – digitale Sprachassistenten auf allen Kanälen

Das kommende Jahrzehnt der Sprachassistenten wird vielleicht so viele Veränderungen wie die letzten zehn Jahre bringen. Smart Voice, die Nutzung der Stimme und digitale Sprachassistenten, die in allen möglichen Geräten eingebaut sind, sind kein Zukunftsthema, sondern schon seit ein paar Jahren Realität. Digitale Sprachassistenten wie Amazon Alexa oder der Google Assistant sind im letzten Jahrzehnt gekommen. Und sie werden bleiben. Nicht nur, weil die größten Digitalkonzerne große Mengen an Ressourcen in die Entwicklung der Systeme stecken, sondern auch weil die Menschen es wollen. Wer hat sich noch nicht seinen eigenen „persönlichen Assistenten“ gewünscht?

Der Trend hin zum „Internet der Stimme“ („Internet of Voice“) hat begonnen. Er stellt einiges auf den Kopf. Zum Beispiel die Suche im Internet oder die Bedeutung von Audio in der digitalen Welt. Die Stimme ist die neue Schnittstelle zwischen Mensch und Internet. Denn Sprechen spart Zeit, Sprache ist intuitiv, Sprechen ist bequem und interaktiv.

Weitere Beiträge zu digitalen Sprachassistenten

Über intelligente Sprachassistenten und Voice Commerce berichteten wir bereits in folgenden Beiträgen: