Digitale Sprachassistenzsysteme und das „Internet der Sprache“ (=Internet of Voice) sind seit 2017 in den Medien. Auch heute noch werden diese Themen in der digitalen Welt vermehrt diskutiert und gehypt. Sowohl Amazon Echo mit Alexa und Alexa Voice Service, Google Assistant mit Google Home und Google Actions, Samsung mit Bixby, Siri mit Homekit, Microsoft mit Cortana und Cortana Devices gehören dazu. Und viele/s mehr sind aktuell die marktdominierenden Produkte und Lösungen. Ungeachtet der Fülle der Technologien und Anwendungen in diesem Bereich finden sich noch Nischen und Anwendungsbereiche. Daher entwickelte das Startup voize in diesem Bereich eine neue Lösung. Und zwar für die Kranken- und Altenpflege: voize – digitaler Sprachassistent in der Pflege.

Was bieten digitale Sprachassistenten

Die Sprachassistenten und Sprachassistenzsysteme bieten heute neue Möglichkeiten der Interaktion mit dem Nutzer. Das Interface für die Interaktion mit dem System, in diesem Fall dem Smartphone, ist die natürliche Sprache des Menschen. Und das ermöglicht neue Anwendungen von der die digitale Welt vielleicht eher Abstand genommen hat.

Über den Funktionsumfang und das Angebot an digitalen Sprachassistenten haben wir schon an anderer Stelle berichtet:

Der Markt für digitale Sprachassistenten

Gleichwohl wächst der Markt und die Nachfrage für digitale Sprachassistenten langsam. Hingegen herrscht seit langem eine gewisse Innovationsspannung und Erwartungshaltung. Einerseits ist das begründet in der Tatsache, das künstliche Intelligenz, Spracherkennung und Sprachsynthese technologisch keine einfache Sache sind. Andererseits muss die Entwicklung für den reibungslosen und bequemen Einsatz der Sprachassistenten noch ein paar Hindernisse bewältigen. Allerdings der aktuelle Entwicklungsstand bereits ausreichend, um digitale Sprachassistenten zu entwickeln und anzubieten.

Startup voize – digitaler Sprachassistent in der Pflege

Das Potsdamer Startup voize verbessert mit seinem digitalen Sprachassistenten die Krankenpflege und Altenpflege. Dafür wurden es jüngst vom Gründerportal „Für Gründer“ auf Platz 3 der 50 besten deutschen Startups gewählt. Denn rund 30 Prozent der Arbeitszeit verbringen Pflegekräfte mit der Dokumentation von Pflegemaßnahmen. Umso wichtiger ist es, diese wertvolle Zeit, die bei der eigentlichen Pflege dann fehlt, zu vergrößern. Daher automatisiert voize den Prozess der Pflegedokumentation auf eine einfache und bequeme Weise.

Wer steckt hinter voize – digitaler Sprachassistent in der Pflege

Die Gründer (Erik Ziegler und die Zwillingsbrüder Fabio und Marcel Schmidberger) stellten ihre Idee zum digitalen Assistenten in der Pflegedokumentation schon beim Hasso-Plattner-Institut-Businessplanwettbewerb im September des letzten Jahres. Damals gewannen sie mit ihrer Idee personenbezogene Stipendien im Umfang von 50.000 Euro und ein Investmentangebot des HPI Seed Funds von 50.000 Euro sowie ein einjähriges Business-Coaching.

Wer steckt hinter voize?

Das Gründerteam von voize – digitaler Sprachassistent in der Praxis (Quelle: www.voize.de)

Die Funktionsweise von voize – digitaler Sprachassistent in der Pflege

Mit voize sprechen Pflegekräfte Dokumentationen frei am Smartphone ein und das direkt bei der Pflege. Auf dem Smartphone ist eine entsprechende voize-App installiert. voize generiert automatisch strukturierte Dokumentationseinträge. Anschließend überträgt voize diese in die bestehende Dokumentationssoftware.

Wie läuft der Prozess mit voize – digitaler Sprachassistent in der Pflege

  • Spracheingabe: Die Pflegenden starten die Eingabe und sprechen auf dem Smartphone ein, was dokumentiert werden soll
  • Textanalyse: Im Text wird der Dokumentationsfall ermittelt. Erkannte Stichworte wie Patienten und Eigenschaften des Dokumentationsfalles werden hervorgehoben
  • Strukturierter Eintrag: voize generiert einen strukturierten Dokumentationseintrag anhand der Textanalyse. Dieser wird von der Pflegekraft bestätigt
  • Integration und Dokumentation: Durch Bestätigung des Eintrags wird dieser in das bestehende Dokumentationssystem eingetragen. Die Dokumentation ist dann erfolgreich erstellt
Digitaler Sprachassistent in der Pflege im Einsatz

voize – digitaler Sprachassistent in der Pflege im Einsatz (Quelle: www.voize.de)

Der Einsatz von voize – digitaler Sprachassistent in der Pflege – bringt folgende Vorteile mit sich

  • Zeiteinsparungen: Die Pflegekräfte sprechen mit der App etwa die Dokumentation einfach während der Pflege frei ein. Die Künstliche Intelligenz von voize versteht den Pflegekontext und generiert dadurch automatisch strukturierte Dokumentationseinträge. Es entfallen die Notizen auf Papier, die die Pflegekräfte anschließend in einen Computer übertragen. So bleibt mehr Zeit für die Pflege.
  • Einsatz ohne WLAN oder Mobilfunknetz: Dabei läuft das Machine Learning lokal auf dem Smartphone. So werden keine Daten in die Cloud gesendet. Das erhöht auch den Datenschutz. Und ein weiterer Vorteil ist, dass die Datensicherung auch ohne WLAN oder Mobilfunknetz erfolgt. Das ist gerade in der häuslichen Pflege wichtig.
  • Sprechen ist einfacher als Schreiben: Bei der Spracheingabe spricht die Pflegekraft ganz natürlich und die App erzeugt den standardisierten Eintrag.

Das sieht in etwa so aus:

Spracheingabe und Dokumentation über voize

Beispiel für eine Spracheingabe und Dokumentation über voize (Quelle: www.voize.de)

Eine umfangreiche Information zu digitalen Sprachassistenten findet sich auch in dem Buch von Tanja Kruse Brandão und Gerd Wolfram: Digital Connection: Die bessere Customer Journey mit smarten Technologien – Strategie und Praxisbeispiel, erschienen 2018 im Gabler Verlag.

Ausblick: voize – digitaler Sprachassistent in der Pflege

voize entwickelte das Startup gemeinsam mit der Praxis der Pflegeeinrichtungen und Pflegekräften. Unter anderem ist das ein Grund für die hohe Akzeptanz der Pflegeorganisationen. Aus der Praxis für die Praxis kann man da nur anmerken.

Entwickelt in enger Zusammenarbeit mit der Pflegepraxis

Entwicklung von voize mit der Caritas Stuttgart (Quelle: www.voize.de)

Seefat Kayan, Pflegefachkraft Caritas Stuttgart, sagt:

„Mit voize haben wir in Zukunft mehr Zeit für die Bewohner. Für viele ist Sprechen auch leichter als Schreiben.“

Und für viele ihrer Kolleg*innen, die vielleicht noch nicht so gut deutsch können, ist das eine große Erleichterung. Denn die App korrigiert automatisch Rechtschreibung und Grammatik. Daher und dank dieser Entwicklung bleibt mehr Zeit mit den Menschen.

Seefat Kayan fügt hinzu:

„Das ist auch eine tolle Aufwertung unseres Berufes.“

Weitere Informationen zum Praxiseinsatz bei der Caritas Stuttgart finden sich unter folgendem Weblink.

Durch den demografischen Wandel und Fachkräftemangel in der Pflege verschärft sich der Pflegenotstand in Deutschland zunehmend. Weniger Pflegekräfte, mehr zu Pflegende und mehr Bürokratie und Dokumentation. Vor diesem Hintergrund sind neue und innovative Lösungen gefragt. Daher hat voize hervorragende Chancen diesem Trend entgegenzuwirken. Nun bleibt zu hoffen, dass durch solche Angebote wie die voize-App Abhilfe geschaffen wird. Und es bleibt abzuwarten, ob die Zeitersparnis wirklich den Pflegebedürftigen zugutekommt oder aus der Not heraus die Pflegekraft einfach mehr Patienten betreuen muss.