«The Fitting Room» im Einkaufszentrum Nordstan in Göteborg, Schweden, zeigt „phygitalen“ Einzelhandel, indem er das Beste aus physischem und digitalem Einzelhandel kombiniert. Ein modernes Showrooming mit digitalen Technologien und Online-Bestellmöglichkeiten, das zeichnet das Konzept aus. Ist das der Weg in den zukünftigen Einzelhandel – «The Fitting Room» ?

Was ist das Besondere am «The Fitting Room»?

Im vergangenen November eröffnete ein 63 Quadratmeter großes Geschäft im Einkaufszentrum, eine Kooperation von Schuhspezialist Sneaky Steve und der Bekleidungsmarke Wacay.

Das Geschäft ist eigentlich eine große Umkleidekabine und Anprobenraum. Die Produkte im Geschäft sind nur für die Anprobe gedacht und können nicht sofort mitgenommen werden. Es gibt zwar jedes Schuhmodell oder Kleidungsstück in jeder Größe vor Ort, aber nicht in jeder Farbe. Nachdem sich der Kunde*in für ein oder mehrere Produkte entschieden haben, können sie an den vielen Touchscreens ihre Adresse eingeben, per Mobiltelefon oder Kreditkarte bezahlen und die Produkte nach Hause liefern lassen. Die Lieferzeit beträgt in der Regel ein bis zwei Tage.

Bezahlen im «The Fitting Room» per Kreditkarte (Quelle: The Fitting Room)

Anprobe von Schuhen und Kleidung

Dort können die Kunden*innen an interaktiven Kiosken Produkte suchen, Schuhe und Kleidung anprobieren und zur Lieferung nach Hause bestellen. Touchscreen-Kioske erlauben den Käufern*innen einen umfassenden Zugriff auf interessante Produktinformationen: Kommentare des Designers oder Informationen zu zusätzlichen Produkteigenschaften, Nachhaltigkeitsinformationen oder spezifische Merkmale, die den Wert des Produktes zeigen.

Umfangreiche Produktinformationen

Alle Produkte im Geschäft sind mit einem RFID-Transponder versehen, damit der Kunde*innen sehr einfach etwas über das Produkt und die Marke erfahren kann.

RFID-Etiketten an den Produkten geben Zugriff auf umfangreiche Produktinformationen (Quelle: The Fitting Room)

Darüber hinaus ist in der Mitte des Verkaufsraumes ein Touchscreen-Tisch, an dem die Kunden*innen selbst das Angebot des Geschäftes durchstöbern können.

Über Touch-Screens können Kunden*innen das Sortiment ansehen (Quelle: The Fitting Room=

In den Umkleidekabinen kann der Käufer*in eine virtuelle Umgebung wählen, in der Musik, Licht und Bild dazu beitragen, das richtige Gefühl und die richtige Atmosphäre bei der Anprobe zu schaffen.

Ein ähnliches Konzept hat Bonprix in seinem neuen Flagship-Store in Hamburg umgesetzt. Darüber haben wir im Beitrag „Fashion Connect – die neue Art des stationären Einkaufens“ berichtet. Ein etwas anderes Konzept des Showrooming setzt Alibaba in China um: „Internet-Konzern Alibaba bringt Technologie in den stationären Handel„.

Was sind die Kundenvorteile?

Dem Kunden bieten sich folgende Vorteile beim Besuch des Geschäftes:

  • Der Kunde*in kann auf einer Verkaufsfläche von nur 63 Quadratmetern die gesamte Bandbreite an Kleidung von Wacay und Schuhen von Sneaky Steve ausprobieren
  • Zudem können die Verkäufer im Geschäft verschiedene Kunden*innen gleichzeitig bedienen. Denn alle Produkte, Bestandsinformationen und Produktinformationen sind im Geschäft vorhanden
  • Darüber hinaus werden die Verkäufer entlastet. Denn sie müssen nicht die Regale neu auffüllen oder große Mengen von anprobierten Waren wieder einsortieren. Sie können sich mehr um die Kunden*innen kümmern
  • Die Kunden*innen können bargeldlos bezahlen
  • Das Geschäft besitzt keinen Lagerraum und kein Lager. Damit kann die Verkaufsfläche komplett für den Kunden*innen genutzt werden

Das Feedback aller Käufer*innen ist durchaus positiv. Denn das Konzept spricht nicht nur jüngere Kunden*innen an, sondern ein breites Spektrum.

Anprobe von Artikeln im «The Fitting Room» (Quelle: The Fitting Room)

Was sind die wirtschaftlichen Vorteile?

Auch wirtschaftlich bringt das Konzept einige Vorteil mit sich:

  • Der E-Commerce-Umsatz konnte um 43% gesteigert werden
  • Der Quadratmeter-Umsatz ist fast doppelt so hoch wie der durchschnittliche Quadratmeter-Umsatzes im Einkaufszentrum
  • Die Retourenquote liegt bei «The Fitting Room» bei unter einem Prozent. Sie ist deshalb so niedrig, da die Kunden*innen die Produkte zuvor anprobiert haben. Für den schwedischen E-Commerce beträgt die Retourenquote normalerweise 30 Prozent beträgt
  • Insgesamt kommen täglich circa 50 Kunden*innen in das Geschäft, die durchschnittlich ein Produkt kaufen bzw. bestellen

Das Beste aus beiden Welten (Online und Offline)

Als Ergebnis bietet das stationäre Geschäft die Möglichkeit Produkte zu berühren und anzuprobieren, sowie einen guten Kundenservice, während die Online-Seite umfangreiche Produktinformationen bietet.  Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse von «The Fitting Room», dass die Kombination von physischem und digitalem Einkauf zum einen profitabler wie auch kundenorientierter ist. Es kann eine Antwort auf viele der Herausforderungen sein, die wir mit dem traditionellen Einzelhandel haben. Ob das für alle Formate funktioniert wird sich zeigen.

«The Fitting Room» (Quelle: The Fitting Room)