Immer stationär Einkaufen, 24/7 – rund um die Uhr. Das bedeutet keine verschlossenen Ladentüren, kein Warten an der Kasse, kein Personal. Unbemannte Geschäfte ohne Verkäufer*innen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Sie könnten in Zukunft die Lösung für die 24/7-Nahversorgung sein. Sicherlich wird Einkaufen in zehn Jahren nicht einmal mehr ansatzweise damit vergleichbar sein, wie wir es heute kennen. Gerade in den Zeiten der Corona-Pandemie zeigen sich schon neue Ansätze. Aber auch schon vorher sind neue Verkaufsstätten intensiv getestet worden.

24/7 – Einkaufen – Geschäfte immer geöffnet und immer stationär Einkaufen

Gerade in infrastrukturell benachteiligten und ländlichen Regionen profitieren Kund*innen von 24/7-Stunden-Geschäften. Dort gibt es keine verschlossenen Ladentüren, kein Warten an der Kasse und kein Personal. Bereits heute sind in Ballungszentren Öffnungszeiten zu finden, die werktags von 7 bis 24 Uhr reichen. Darüber hinaus kommen Reisende in den Genuss an Flughäfen, Bahnhöfen und Tankstellen noch einen späten Einkauf tätigen zu können. Dazu zählen zum Beispiel die Rewe-to-Go-Shops in Bahnhöfen, die aufgrund der Sonderstandortlage oftmals rund um die Uhr geöffnet haben und neben einer Vielzahl von Convenience-Artikeln auch ein ausgewähltes Sortiment an Grundnahrungsmitteln bieten.

Aber was macht der Städter, der nicht in der Innenstadt, sondern in den Randbezirken wohnt? Oder ein Dorfbewohner in dünn besiedelten Regionen ohne ein Lebensmittelgeschäft weit und breit? Hier bieten einige Händler bieten verschiedene Formate mit 24/7-Geschäften an. Davon werden einige noch in den Innenstädten pilotiert.

Näraffär – Pionier des ersten personallosen Supermarktes aus Schweden

Ein Blick nach Skandinavien lohnt sich. Bereits im Jahr 2016 eröffnete im kleinen Örtchen Viken in Südschweden der erste personallose Supermarkt. Das kleine Geschäft bot alles Nötige für den Grundbedarf und hatte rund um die Uhr geöffnet. Voraussetzung für das Einkaufen war die passende App. Im Näraffär-Supermarkt – so nannte sich der Supermarkt – machen die Kund*innen alles selbst: Erst mit der App die Eingangstür öffnen. Dann mit dem Smartphone die Waren selbst einscannen und vor Ende des Einkauf auf „Bezahlen“ klicken. Die Rechnung kommt dann am Monatsende per Post nach Hause.

Einkaufen bei Näffär

Einkaufen bei Näraffär mit der App (Quelle: Näraffär)

Das Sortiment umfasste ca. 450 Produkte und reichte von Kaffee, Tee, Getränken, über Süßigkeiten, salzigen Snacks und Konserven bis hin zu Nährmitteln und Haushaltsreinigern. Zudem sorgen Kameras im Inneren und Sensoren in den Türen dafür, dass im Inneren alles mit rechten Dingen zugeht und niemand das Geschäft mit nicht gescannten Produkten verlässt.

Moby Mart – der mobile 24/7-Supermarkt

Das Konzept des Näraffär-Marktes war recht erfolgreich. Aus diesem Grund kaufte schon nach einem Jahr das schwedische Start-up Wheelys Näraffär auf. Und entwickelte es weiter in Richtung eines unbemannten und autonom fahrenden 24/7-Stunden Minimarkt-Transporter. Unter dem Namen Moby Mart fährt dieser seit Juni 2017 durch Shanghai fährt und auch in anderen Städten.

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Video-Link: https://youtu.be/W9IqJOpfa5c

Moby Mart ist in etwa so breit wie ein Lieferwagen und etwas länger als ein Kleinlaster. In der Moby Mart-App kann man nachschauen, ob der Supermarkt gerade in der Nähe ist und ihn zu einem Parkplatz ordern. Eingecheckt wird dann wieder per App. Ein digitaler Assistent begrüßt die Kunden und steht bei Fragen zu Verfügung. Wird der Warenbestand knapp, fährt der Laden selbstständig ins Lager.

Zu den innovativen Verkäuferlosen und Kassenlosen Geschäften in Asien haben wir bereits in folgendem Beitrag berichtet: „Kassierer- und Verkäuferlose Geschäfte – jetzt auch in Deutschland.“

Würth24 – Niederlassungen mit 24-Stunden Öffnungszeiten

Der Einkauf von Material und neuen Werkzeugen durch Handwerker gestaltet sich vor allem angesichts der üblichen Öffnungszeiten der Würth-Märkte schwierig. Zwar ist der Online-Einkauf auch bei Würth möglich, doch auch der schnellste Zustelldienst braucht mindestens einen Tag für die Lieferung. Viele Gründe, warum das Würth24-Konzept für Gewerbetreibende der perfekte Service ist.

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Video-Link: https://youtu.be/_VqOCUKT_Ts?list=TLGGX1x2fgePhfQxNDAyMjAyMQ

In Deutschland setzt Würth auf das Konzept der Hybridfiliale, der Symbiose aus regulärem Öffnungsbetrieb und autonomem Eintritt und Einkauf ab einer gewissen Uhrzeit. Die Handwerker sind  gewohnt, im Sommer bereits sehr früh am Morgen bis teilweise spät am Abend zu arbeiten und entsprechendes Material etc. zu kaufen. In Deutschland finden sich aktuell bereits einige Würth24-Niederlassungen. Die Rückmeldungen der Kund*innen zeigen eindeutig: Der Service wird dort vor allem abends oder früh morgens genutzt, insbesondere aber auch an Samstagen. Und mit Würth24 stehen die Kund*innen nicht mehr vor verschlossenen Türen, sondern haben zur Bedarfsdeckung an sechs Tagen in der Woche uneingeschränkt Zugriff auf ein breites, ca. 4.500 Artikel umfassendes Sortiment.

teo – die Kleinfläche ohne Personal bei tegut

teo wirbt mit dem Slogan „Jederzeit direkt um die Ecke modern und nachhaltig Einkaufen“. teo, das ist das neue Storekonzept von (Bio)-Lebensmittelhändler tegut. Dabei ist die Filiale circa 50 Quadratmeter groß. Und sie setzt auf digital gesteuerte Selbstbedienung und ist rund um die Uhr zugänglich. Das ‚Shopping nebenbei‘-Prinzip soll junge, umweltbewusste Käufer*innen unterwegs ansprechen. Im Fokus der teo-Stores stehen Standorte an Lehreinrichtungen, Hotels oder im ländlichen Raum, an denen sich große Märkte nicht rechnen.

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Video-Link: https://youtu.be/A903nBk1is4

Rund 950 Lebensmittel und Produkte für den täglichen Bedarf sind bei teo erhältlich. Daneben reicht der Platz sogar noch für Extras wie gemütliche Sitzgelegenheiten, eine Fahrradwerkstatt, eine Bücher-Tauschbörse oder einen Hunde-Rastplatz. Das Konzept verbindet laut Tegut die Vorzüge eines modernen Nahversorgers mit den Lebensgewohnheiten der Menschen und der Technik des 21. Jahrhunderts. Der Store setzt nämlich auf digital gesteuerte Selbstbedienung. Mit einer App kann der Kunde die Ladentür rund um die Uhr öffnen, seine Produkte scannen und gleich bezahlen. Wer ohne App einkaufen will, kann eine Kreditkarte und das SB-Terminal im Inneren von teo nutzen.

In der Schweiz, dem Heimatland der tegut-Mutter Migros, verfolgt das Handelsunternehmen Valora das Thema automatisierte Kleinstfläche mit der Vertriebslinie Avec-Box, einem Convenience-Format für Hochfrequenzlagen. Das Valora-Fomat und andere Verkäuferlose und Kassenlose Geschäfte berichtet auch der Beitrag „Kassierer- und Verkäuferlose Geschäfte im DACH-Raum und den Niederlanden.“

Combi 24/7 – Büntings innovative Automatenlösung

Bünting prescht mit seiner innovativen 24/7 Hybridlösung für die Innenstadt vor. Denn in Deutschland ist diese Kombination einzigartig. In Oldenburg eröffnete der moderne Combi City Frischemarkt mit einem kompakten Supermarktsortiment mit 5.000 Artikeln und einer Verkaufsfläche von 450 Quadratmetern. Und in unmittelbarer Nähe ergänzt die voll automatisierte Combi 24/7-Automatenlösung das klassische Supermarkt-Angebot. Auch außerhalb der Öffnungszeiten können Kund*innen einen spontanen Einkauf erledigen. Über das integrierte Bedien- und Kassenterminal mit Touchscreen werden die gewünschten Artikel über die zugeordneten Kategorien ausgewählt. Anschließend wird der Warenkorb bargeldlos mit EC- oder Kreditkarte bezahlt. Beim darauffolgenden Zusammenstellen der Artikel kann der Roboter durch ein Sichtfenster beobachtet werden. In einer beachtlichen Geschwindigkeit erfasst ein Greifarm die gewählten Produkte und legt sie auf das Förderband, über das sie an den Kunden ausgegeben werden.

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Video-Link: https://youtu.be/0XNi_Iu6l4o

Das „24/7-Angebot“ richtet sich an Anwohner, Berufstätige und Passanten, die nach Ladenschluss oder vor Ladenöffnung feststellen, dass ihnen noch etwas fehlt. Rund die Hälfte der 500 angebotenen Artikel des Automatensortiments sind Frischeartikel und Produkte, die gekühlt werden, beispielsweise Aufschnitt und Molkereiprodukte, Obst und Gemüse sowie Getränke. Aber auch Hygiene- und Drogeriewaren sind Teil des Sortiments, genauso wie Snacks und Vorratsartikel. Damit ist Bünting einer der ersten Lebensmitteleinzelhändler, der ein vollautomatisches Verkaufskonzept realisiert.

Typy – der vollautomatische und Kassenlose Supermarkt

Das Start-up Campo des ehemaligen Managers von Tank&Rast Carlo Caldi eröffnete sein erstes vollautomatisches, rund um die Uhr geöffnetes Lebensmittel-Geschäft. Dabei firmiert es unter dem Namen Typy in Düsseldorf. Und die eingesetzten Robotik-Systeme setzte das Start-up Smark um. Nach Betreten des neuen, 40 Quadratmeter großen Typy-Supermarktes im Düsseldorfer Medienhafen nimmt ein Touchscreen oder eine App die Bestellung der Kund*innen auf. Und anschließend stellen sich Kund*innen nur noch vor ein Ausgabefach und flugs stehen die gewünschten Artikel bereit. Denn im Hintergrund ist ein Roboter durch die Regale gelaufen und hat die gewünschten Artikel, z.B. eine Flasche Wein, Drogerieartikel oder einen Fertigsalat fürs Mittagessen, eingesammelt.

Aktuell finden sich im Typy-Markt  keine Kassen und keine Verkäufer*innen. Dafür werden aber circa 750 Artikel angeboten, die über das Bestellterminal oder die App gekauft werden können. Primär liegt der Fokus auf Convenience-Produkten und Artikel des täglichen Bedarfs. Und der Supermarkt ist rund um die Uhr geöffnet. In Zukunft soll auch Personal im Geschäft eingesetzt werden.

Tante Enso-Laden – Online, offline und 24/7 in Schnega

Der neue Tante Enso-Laden in Schnega verbindet modernen Online-Handel mit dem alten Tante Emma-Ladenmodell. Schnega ist mit seinen rund 1.000 Einwohnern eine kleine Gemeinde wie viele in Deutschland. Die Probleme sind die gleichen, die Infrastruktur geht verloren und  die Möglichkeiten, sich in der Nähe des Wohnorts mit Dingen des alltäglichen Lebens zu versorgen, schrumpfen.

Die Lösung – der Dorfladen, das Modell der Zukunft? Das Online-Shopping Unternehmen myenso betriebt das Geschäft. Und interessierte Einwohner werden Mitglied der „myenso“-Genossenschaft. Pro Mitglied ist ein Anteil in Höhe von 100 Euro fällig. Dafür haben die Genoss*innen die Möglichkeit, die Ausrichtung mitzubestimmen. Das Onlineshopping-Unternehmen zahlt die Miete, übernimmt den Wareneinkauf, die Ladenausstattung und bezahlt zwei Angestellte. Zur Eröffnung wurde der Laden mit rund 3.000 Produkten bestückt. Und wenn das gewünschte Produkt im Laden nicht erhältlich ist, kann es  aus dem Online-Sortiment bestellt werden. Außerhalb der Öffnungszeiten kann der Laden mit der eigenen Chipkarte betreten werden, diese dient dann auch zur Bezahlung der Einkäufe. Die Sicherheit wird durch mehrere Überwachungskameras gewährleistet.

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Video-Link: https://youtu.be/QGe4yr56eXM

Mit der Mischung aus normalem Dorfladen mit Verkäufer*innen, Post, Bestellmöglichkeiten und Digitallösungen für den Rund-um-Uhr-Einkauf sowie die Verknüpfung mit dem Onlineshop haben die Bewohner von Schnega einen Dorfladen erhalten, der der innovativ und modern ist.

24/7 – Einkaufen rund um die Uhr

Nicht erst seit Corona steigt der Bedarf nach kontaktlosen, automatisierten Serviceleistungen. Schon länger ist der gesellschaftliche Wandel zu beobachten. Wünsche und Ansprüche an den stationären Handel ändern sich. Die Kund*innen erwarten von Supermärkten, dass sie Produkte möglichst einfach, bequem und vor allem jederzeit bekommen. Daher sind Geschäfte gefragt, in denen man rund um die Uhr einkaufen kann. Der spontane Einkauf von Dingen des täglichen Bedarfs wird hier erledigt, da die Stores jederzeit zugänglich sind. Im Grunde sind sie eine Mischung von Kiosk und Verkaufsautomat, indem sie rund um die Uhr ein umfangreiches Sortiment bieten können.

Viele Einzelhändler experimentieren auf der einen Seite mit dem 24/7-Einkaufen, auf der anderen Seite eröffnen andere bereits Hybrid-Stores, in denen die Kund*innen auch nach Geschäftsschluss einkaufen können. Andere Händler nehmen Automaten in Betrieb, die die Kund*innen 24 Stunden lang mit Lebensmittel versorgen können. Auch nach Ladenschluss noch einkaufen – genau das könnte auch bei Aldi Süd bald keine Seltenheit mehr sein. Der Discounter hat in Rheinland-Pfalz testweise einen Automaten in Betrieb genommen. Auch Edeka in München betreibt in der Thalkirchener Straße einen Automaten. Im Fokus stehen regionale Wurst- und Molkereiprodukte, die von der Fachmetzgerei „Südbayerische Fleischwaren“ bereitgestellt werden.

Mit diesen Konzepten besteht die Chance dem Ladensterben auf dem Land und in den Innenstädten entgegenzuwirken. Durch die Möglichkeit, unabhängig von Öffnungszeiten rund um die Uhr Umsatz zu generieren, werden auch kleinere und nicht so hochfrequentierte Läden wieder rentabel. Im Gegensatz zum Einkauf an der Tankstelle hat man in der Regel zudem einen geringeren Warenpreis und eine breitere Warenauswahl. Die Kund*innen kaufen beim Händler ihres Vertrauens ihre favorisierten Produkte zum gewohnten Preis: tagsüber mit persönlicher Beratung, nachts autonom.