Die International Data Corporation (IDC) gab kürzlich ihre weltweiten Prognosen für die Informationstechnologie (IT) für 2019 und darüber hinaus bekannt. Der Blick in die Zukunft ist in dem neuen IDC FutureScape-Bericht veröffentlicht und wurde auch im Rahmen einer Live-Webkonferenz unter der Leitung von Chefanalyst Frank Gens präsentiert. Bis 2023 soll fast jedes Unternehmen in der digitalisierten Weltwirtschaft ein „Digital Native“ sein. Zudem zeigt die Prognose, was den IT-Markt in den kommenden fünf Jahren vorantreiben wird.

Rückschau auf die letzten Jahre

In den letzten Jahren haben sich IT-Verantwortlichen und CIOs auf die digitale Transformation konzentriert und die Digitalisierung vorangetrieben. Im Mittelpunkt standen Technologien wie Cloud, mobile Technologien, Big Data und Analytics sowie Social Media. Hinzu kamen Innovationen wie das Internet der Dinge (IoT), künstliche Intelligenz (KI) sowie Augmented and Virtual Reality (AR/VR)..

Heute ist diese Transformationsentwicklung in ihr zweites Kapitel eingetreten und gewinnt an Dynamik. In dem sich wandelnden Technologie- und Geschäftsumfeld erweitern Unternehme ihre digitalen Innovationsfähigkeiten, um in der sich schnell digitalisierenden Weltwirtschaft wettbewerbsfähig und erfolgreich zu sein. Aktuell wird die nächste Phase der Digitalisierung und Transformation eingeläutet. IDC wagt den Blick in die Zukunft und zeigt anhand von zehn Bereichen auf, was die weltweite Informationstechnik-Branche in den kommenden fünf Jahren bis 2023 erwarten und was die CIOs beschäftigen wird.

These 1: Mehr als 60 Prozent des globalen BIP ist digitalisiert

Über sechzig Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes wird digitalisiert erbracht. In jeder Branche wird das Wachstum durch digital verbesserte Angebote, Prozesse und Geschäftsbeziehungen getrieben. Unternehmen, die es nicht schaffen, ihre internen Prozesse, ihre Produktion, ihren Verkauf und ihre Kundenprozesse auf allen Ebenen zu transformieren und zu digitalisieren, werden sich im Wettbewerb nicht behaupten können und nicht mehr wachsen. Digitalisierung wird zunehmend zum strategischen Wettbewerbsfaktor in allen Bereichen der Wirtschaft. Daher müssen alle Führungskräfte in jedem Unternehmen die digitale Transformation an die erste Stelle ihrer Prioritätenliste setzen.

These 2: 75% aller IT-Ausgaben werden für Cloud-Plattformen ausgegeben

75% aller IT-Ausgaben werden für externe Technologien und Plattformen, d.h. für Drittanbieter, ausgegeben. Die Unternehmen sind der Meinung, nur so in der digitalen Welt erfolgreich zu sein. Die Hälfte aller Unternehmen besitzen oder entwickeln eine integrierte digitale Strategie und Architektur, die Cloud-zentrierte Dienstleistungen, Nutzung agiler Entwicklungsmethoden, Nutzung von DevOps-Ansätzen, Anbindung an digitale Innovationsplattformen und Communities sowie eine Konzentration auf integriertes Datenmanagement beinhalten.

These 3: Über 40% dezentrale Rechenleistungen (Edge Computing)

Bis 2023 werden über 40% der Cloud-Installationen der Unternehmen Edge Computing umfassen. Es wird massive Verschiebungen in der Positionierung der Verarbeitungsleistung geben: Weg von Cloud-Infrastrukturen und zentralen Unternehmensanwendungen hin zu Endgeräten, wie Sensoren, Smartphones und Kameras, die nah an der Datenquelle sind.

Augmented Reality (Foto: PTC)

These 4: Über 90% aller Anwendungen basieren auf Microservice-Architekturen

Bis 2023 basieren 90 Prozent aller Anwendungen auf Microservice-Architekturen. Dies verbessert insgesamt die Fähigkeiten zum Entwickeln, Debuggen, Aktualisieren und auch das Nutzen von Drittanbieter-Code. 35% aller Produktionsanwendungen werden in der Cloud ausgeführt. Die steigenden Anforderungen, hochwertige Anwendungen schnell und unkompliziert bereitzustellen, forciert den Wandel in Richtung „hyperagile“ Anwendungen, das heißt in Richtung verteilte, hochmodulare Anwendungen, die kontinuierliche Updates erfahren. Grundlage dieser Anwendungen sind Cloud-native Technologien wie Container und Serverless Computing. In Kombination mit den agilen/DevOps-Ansätzen und -Methoden werden die Unternehmen die digitale Transformationsgeschwindigkeit um ein Vielfaches beschleunigen können.

These 5: Software-Entwickleranzahl wächst um 30%

Bis 2023 wird sich eine neue Klasse professioneller Entwickler herausbilden. Diese erstellen Code ohne benutzerdefiniertes Scripting und selbstgeschriebene Routinen. Sie nutzen visuell gesteuerte Entwicklungswerkzeuge, Low-Code- und No-Code-Entwicklungsplattformen und modellbasierende Entwicklungswerkzeuge zur Erstellung und Verbesserung digitaler Lösungen. Bis 2024 wird diese neue Generation von Entwicklern die weltweite Entwicklergemeinde um fast ein Drittel vergrößern.

These 6: Mit neuen Tools neue Anwendungen in kürzester Zeit erstellen

Bis 2023 entstehen mit neuen Tools und Plattformen, einer vergrößerten Zahl von Entwicklern, agilen Methoden und Code-Wiederverwendungen über 500 Millionen neue Applikationen, so viel wie in den letzten 40 Jahren. Diese Entwicklung beruht auf der Nutzung der hyperagilen Anwendungs-Technologien, neuen Architekturen und Entwicklungs-Methoden und der Erweiterung der Entwicklergemeinschaft.

Neue Entwicklungsplattformen und -Tools (Foto: Pixabay)

These 7: Einsatz von vertikalen SaaS-Anwendungen steigt

Unternehmen investieren mehr in vertikale Software-as-a-Service (SaaS)-Anwendungen als in horizontale Anwendungen. Die Anzahl der Anwendungsfälle, die von der IT bedient werden können, nimmt deutlich zu, was zu einer größeren Vielfalt an spezialisierten IT-Anforderungen führt. Auf der Infrastrukturebene treiben die Anforderungen der Künstlichen Intelligenz an die Parallelverarbeitung die Prozessorheterogenität voran. Ebenso entscheiden sich Unternehmen für vertikal spezialisierte SaaS-Anwendungen, fast doppelt so oft wie für horizontale Anwendungen.

These 8: KI und Prozessautomatisierung ersetzt 30 % der heutigen Bildschirmanwendungen

Bis 2023 werden KI-fähige Benutzeroberflächen und eine zunehmende Prozessautomatisierung ein Drittel der heutigen bildschirmbasierten Anwendungen ersetzen. 30% der Unternehmen nutzen die Sprachtechnologie für die Kundenbindung und Kundenkommunikation. Die Künstliche Intelligenz übernimmt zunehmend die Rolle der Hauptschnittstelle und des User Interfaces für eine wachsende Anzahl von Anwendungen und Diensten ein. Gleichzeitig wird die KI-gesteuerte Prozessautomatisierung genutzt, um menschliche Aufgaben zu rationalisieren und zu ersetzen.

These 9: Verschlüsselung, digitale Identitäten, Thread-Management erhöhen die Sicherheit

Bis 2023 werden 50% aller Daten verschlüsselt verarbeitet oder gespeichert. Sicherheit wird zum noch wichtigeren Thema der Digitalisierung. Über 50% der Sicherheitswarnungen werden durch Künstliche Intelligenz verarbeitet. 150 Millionen Menschen verfügen über Blockchain-basierte digitale Identitäten und ein Echtzeit-Bedrohungs-Management erhöht das Vertrauen in die Sicherheit in der digitalen Welt.

Cyber-Security und Trust (Foto: Pixabay)

These 10: Multi- und Hybrid-Cloud für IaaS- und PaaS-Implementierungen

Die vier großen und führenden Cloud-Plattformen hosten 80 Prozent der IaaS/PaaS-Implementierungen. 90 Prozent der führenden tausend Unternehmen nutzen Multi- und Hybrid-Cloud-Technologien und -Tools und binden sich damit nicht an einen Cloud-Anbieter. Diese Strategie der Nutzung von Hybrid-/Multi-Cloud-Tools und -Strategien zur Unterstützung verschiedener Anwendungen und Anwendungsfälle wird auch bei den anderen Unternehmen verfolgt. Das führt teilweise zu einer suboptimalen Ressourcenallokation, einem eingeschränkten Zugang zu den am besten verfügbaren technologischen Innovationen und längeren Problemerkennungs- und Lösungszeiten.

Fazit

Alle Branchen und Industrien werden sich in den nächsten Jahren verstärkt der Digitalisierung, digitaler Innovation und Transformation widmen müssen. Davon hängt die Wettbewerbsfähigkeit und die Marktstellung ab. Insbesondere CIOs müssen darauf drängen, ihre Unternehmen für die schnell wachsende Innovationswelt neu zu erfinden. In den nächsten Jahren bestimmen neue Technologien die IT. Daher müssen sich die CIOs mit verteilten Cloud-Infrastrukturen, Public Cloud-Software-Angeboten, agiler und cloud-nativer Anwendungs-Entwicklung und -Bereitstellung, KI als neue Benutzeroberfläche und neuen Ansätzen zur Sicherheit auseinandersetzen.