EuroCIS zeigt alljährlich IT-Innovationen für den Handel

Mitte Februar ist es wieder soweit: Vom 19. bis zum 21. Februar gastiert die EuroCIS 2019 in Düsseldorf, die größte europäische Fachmesse für Informationstechnologie im Handel. Knapp fünfhundert Aussteller zeigen die neuesten, auf den Groß- und Einzelhandel zugeschnittenen IT-Lösungen und IT-Innovationen. Die alljährlich stattfindende Leitmesse für Retail Technology präsentiert eine breite Angebotspalette innovativer Technologielösungen, von Omni-Channel Management, Business Analytics, Zahlungssystemen und Cash Management, über E-Commerce und E-Business-Lösungen, ERP und Supply Chain Management, Mobile Lösungen und Technologien, Point of Sales Soft- und Hardware und Checkout-Management, bis hin zu Digital Marketing und Signage, Personaleinsatzplanung, Loss Prevention, Warensicherung, Wägetechnik, Food Service und IoT. Damit ist ein breites Spektrum von IT-Technologien im Handel in allen Bereichen abgedeckt.

Welche IT-Innovationen finden im Handel Einzug

Die Auswahl der Geschäfte und deren Kurzbeschreibung findet sich in einer Broschüre von stores + shop technology herausgegeben vom EHI Retail Institute e.V., die für die Besucher der EuroCIS zusammengestellt wurde und interessante Stores in den beiden Städten beschreibt und lokalisiert.

Die Geschäfte umfassen „Future Store“-Konzepte von Tommy Hilfiger oder den Nespresso-Store wie den neu eröffneten Zuheide-Supermarkt in Düsseldorf. In Köln zeigen Sport- und Schuhgeschäfte wie Sport Scheck und Asics, Flagship-Stores von Saturn und Hunkemöller sowie der neu eröffnete Uniqlo-Store des japanischen Modegeschäftes digitale Technologien und die Verknüpfung des stationären Geschäftes mit der digitalen Welt.

Welche Technologien finden Eingang in den stationären Geschäften, welche Technologien erhöhen das Einkaufserlebnis, welche Technologien passen in welche Art von Store und welche digitalen Touchpoints erlebt der Kunde während seiner Shopping-Reise?

Video-Wände, Screens und interaktive Touch-Bildschirme

In vielen Geschäften, ob in Schuh-, Mode- oder Technikgeschäften, finden sich großflächige Bildschirme. Auf diesen werden zum einen Kollektionen zum Leben erweckt, Produkte in Szene gesetzt, Outfits inszeniert oder auch Stimmungen und Übersichten zum angebotenen Sortiment angeboten. Über interaktive Bildschirme und Touch-Screens kann der Kunde im Produktangebot browsen, suchen und sich über Produkte detailliert informieren. Teilweise werden auch ausgelegte Tablets eingesetzt, die über die Produkte im Geschäft informieren.

Screens und digitale Produktberater (Foto: exp37)

Click & Collect, Click & Deliver oder Bestellen

Die Verbindung der Online- mit der Offline-Welt nimmt immer mehr zu. Digitale Kiosksysteme werden von knapp fünfzig Prozent der Geschäfte in verschiedensten Variationen und mit unterschiedlichen Funktionen für die Kunden angeboten. Eine große Mehrheit bietet den Click & Collect-Service an, bei den die Kunden ihre online bestellten Produkte abholen, anprobieren und sich entscheiden können, diese zu kaufen. Aber auch das Kaufen über den Kiosk oder Tablet und die Lieferung nach Hause ist möglich (Click & Deliver). Diese „Regalverlängerung“ ist nicht selten zu finden. Beim Systemgastronomen Vapiano in Düsseldorf können die Kunden die Gerichte an Bestellsäulen ansehen, aussuchen und bestellen. Warteschlangen werden so reduziert. Darüber hinaus können die Gäste über eine offene Showküche die Zubereitung der Speisen verfolgen.

Wohlfühlatmosphäre und soziale Kontakte

Nur wenige Geschäfte, 5 von 35, bieten Café- und Loungebereiche oder andere Gastronomieangebote für die Kunden an (Buchhandlung, Modegeschäft und Technikanbieter). Dort kann der Kunde sich stärken und ausruhen, die Einkaufsreise genießen oder sich mit Freunden und Bekannten treffen, die das Shopping begleiten.

Neue Check-out-Varianten

Etwa dreißig Prozent der Geschäfte setzen neue Lösungen im Bereich des Check-out ein und bieten dem Kunden dort ein neuartiges Einkaufserlebnis. Das reicht von Selbstzahlerkassen bei Zurheide Feinkost in Düsseldorf über einen mobilen Bezahlservice direkt beim Verkaufsberater wie bei Sportscheck in Köln, mobiles Self-Scanning beim Globus SB-Warenhaus in Köln über bereitgestellte Handscanner (Scan & Go) bis hin zum mobilen Self-Scanning über eine App und das kundeneigene Mobiltelefon bei Knauber in Köln. Decathlon in Köln geht noch einen Schritt weiter: Dort sind alle Produkte und Waren mit RFID ausgestattet. Der Kunde legt die Artikel, die er kaufen möchte bei der Selbstzahlerkasse in eine Holzbox, dort werden sie umgehend erkannt, die Diebstahlsicherung deaktiviert und können bezahlt werden. Auch bei Nespresso in Düsseldorf funktioniert der Self Check-out mit Hilfe von RFID.

Eyecatcher und Erlebniseinkauf

Verschiedene Geschäfte stechen hervor, da sie sich mit IT-Innovationen von anderen abheben und Besonderheiten bieten.

  • Einkaufen „rund um die Uhr“: Sowohl Vivobarefoot in Köln als auch der Karstadt-Flagship Store ermöglichen den Kunden über ein digitales Schaufenster und QR-Code Technologie das Einkaufen über das Mobiltelefon,
  • Individualisierung der Produkte: Im Print-Kiosk bei Sportscheck in Köln lassen sich die Kunden Trikots, T-Shirts oder Schuhe individuell bedrucken. Tommy Hilfiger in Düsseldorf bietet ein „Stick-Service“ an. Kunden können ihr Kleidungsstück mit einem Stickmotiv individualisieren.
  • Schulungen und Kurse: Bei Asics in Köln bieten freie Trainer Sportkurse an, ein Fotografie-Fachgeschäft offeriert Fotografie-Workshops.
  • Ladengestaltung: Highlight des Afew-Stores in Düsseldorf ist eine fluoreszierende Bodenfläche, die im Dunkeln in neongrünem Licht strahlt. Ein weiteres Highlight findet sich im Sevens Home of Saturn-Geschäft in Düsseldorf: Eine 1,2 Tonnen schwere LED-Weltkugel im Eingangsbereich wirst sie um die Aufmerksamkeit des Kunden. Mit vierhunderttausende LEDs besetzt dient sie darüber hinaus als gigantische Werbefläche.
  • Produktinformationen und Produktvideos: Bei Gravis in Düsseldorf steht das Ausprobieren und Kennenlernen der Produkte im Vordergrund. Jedes auf den Tischen ausgestellte Gerät und Produkt ist mit einem RFID-Transponder ausgestattet und wird bei Auflegen auf ein Lesegerät über Videos und Detailproduktinformationen auf einem Bildschirm erklärt. Bei Tommy Hilfiger in Düsseldorf lässt sich die Produktverfügbarkeit über ein RFID-Produktinformationstool durch den Kunden ablesen.
  • Intelligente Umkleidekabine und Magic Mirror: Ein Magic Mirror ist das Highlight im Orsay Fashion-Store in Düsseldorf. In Schuhgeschäften wie Snipes in Düsseldorf und finden sich sogenannte Shoe-Mirror, die es erlauben, dass der Kunde den anprobierten Schuh aus allen Seiten betrachten kann. Eine interaktive Umkleidekabine bietet Hunkemöller in Köln an.

Window-Shopping (Foto: POSeidon)

Beispiel Snipes-Store in Köln

Ende des letzten Jahres wurde der Snipes-Store auf der Hohe Straße in Köln neu eröffnet. Dort erwarten den Kunden nicht nur digitale Touchpoints, sondern auch ein ansprechendes und modernes Shop-Design, ein neues Beleuchtungskonzept und ein einzigartiges Store-Branding. Einen ersten Eindruck gibt das folgende Video.

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Video-Link: https://youtu.be/0qhkos5tRac

 

Die Digitalisierung in Angriff nehmen

Auf Fachmessen, sei es auf der EuroCIS in Düsseldorf, der NRF in New York oder auf anderen Veranstaltungen werden alljährlich die neuesten IT-Innovationen und Lösungen für den Handel gezeigt. Die Branche ist technologisch sehr innovativ und zukunftsorientiert ausgerichtet. Doch nicht alle die Innovationen werden in den stationären Geschäften eingesetzt. Aber es sind bei weitem noch nicht alle Möglichkeiten ausgekostet und eingesetzt. Was sind die Gründe? Sicherlich sind nicht alle Technologien für jedes Fachgeschäft gleichermaßen geeignet. Aber fehlt nicht auch der Mut bei den Händlern stärker zu digitalisieren und digitale Touchpoints stärker einzusetzen. Die Kunden werden es honorieren. Auch wenn die Einsicht bei den Händlern vorherrscht, dass sie stärker digitalisieren müssen, fehlt noch die Entscheidung und die Umsetzung. Möglichkeiten gibt es genug, wie die Messen zeigen.